Lehrstuhl-Portrait

 

Kurzportrait des vormaligen Lehrstuhls Prof. Schenk 

(bis Ende WS 2001/02)

    Den nachfolgenden Text (bis zu der Fotostrecke) hatte ich ursprünglich eingereicht als Manuskript für eine 2000 geplante, aber nie erschienene "Fachbereichsbroschüre 2001"; dann erwartet für eine angekündigte "Fakultätsbroschüre 2002", die auch wegreformiert wurde. Auf der im Juni 2002 als "3. Aufl." auftauchenden Fakultätshomepage brauchte das Manuskript nach Beginn meiner Pensionierung und Auflösung des Lehrstuhls selbstverständlich nicht mehr veröffentlicht zu werden...
    Eine ähnliche Überraschung erfuhr ich am 28. Oktober 1988. Zum heiteren Festakt "333 Jahre Universität Duisburg" im Audimax hatte ich einen Festvortrag "333 Jahre Fortschritt" vorbereitet. Ich wollte ihn feierlich im Gehrock vortragen. Doch das überlang geratene Programm ließ keine Zeit mehr übrig. Als späte Rache kann nun der ganze Erdenball meinen Jux in Hexametern lesen!

    Für Examenskandidaten habe ich einige Psycho-Tipps zusammengestellt. Rechtzeitig vor Beginn einer Examensarbeit gelesen und beherzigt, helfen sie beim Studienabschluss einen Unfall zu vermeiden...

    Wer als Lehrende(r) oder Lernende(r) an meiner Satire über Probleme und Problemlösungen der Campus-Sozialisation interessiert ist, klicke und genieße die sich hoffentlich öffnende pdf-Datei! Ähnlichkeiten mit dem Lehrbetrieb an meiner alten Uni sind rein zufällig.

     



  • Lehrbetrieb in Duisburg seit 1977 mit Betreuung von rd. 320 Diplomarbeiten, Staatsarbeiten und Dissertationen sowie von rd. 400 Hausarbeiten zu handels- und absatzwissenschaftlichen Fragen. Da der Fachbereich unserer Reformuniversität nur eine Sekretariatsmitbenutzung, nur eine Dreiviertel-Mitarbeiterstelle(!) und nur zwei studentische Hilfskräfte (mit je 4 Semesterwochenstunden) bewilligt hatte, erklärte sich der erfreuliche Mitarbeiterstab von zuletzt sieben Mitarbeitern aus der Finanzierung durch eingeworbene Drittmittel!
  • Aufbau und laufende Pflege eines Zeitungs- und Zeitschriftenausschnitt-Archivs Handel (ZZA Handel) mit ca. 400.000 Artikeln sowie einer handelswissenschaftlichen elektronischen Literaturdatenbank HAWIST mit Abfragemöglichkeit von ca. 50.000 Stichwörtern; beide wurden übertragen an Prof. Dr. Ralph Kleiner, Dekan Handelsmanagement an der Europäischen Fachhochschule Brühl (EUFH).
  • Von 1978 bis 2002  je einmal im Monat "Unternehmergespräche" über ein Schwerpunktthema je Semester mit 10 Handelsunternehmern und 10 Handelsstudierenden (in Zusammenarbeit mit der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer Duisburg).
  • Wissenschaftliche Leitung des "Forschungsprojekts Fruchthandel Uni Duisburg" mit Grundlagen- und Auftragsforschung sowie Einbindung in den Unterricht (Möglichkeit für Studierende, an praktischen Marktforschungsuntersuchungen teilzunehmen und Leistungsscheine zu erwerben). Engagierte Betreuung durch Dipl.-Kfm. Alfred Schwemin bis 28.02.2002. Näheres unter der alten Lehrstuhl-Homepage: http://www.uni-duisburg.de/FB5/BWL/AUH/Schenk


Forschungsschwerpunkte
:

  • Grundlagen des Handels und der Handelsvertretungen;
  • Handelsbetriebsführung;
  • Handelsmarketing;
  • Handelsmarktforschung und Imageanalysen für Handelsbetriebe;
  • Standort- und Preispolitik;
  • E-Commerce;
  • Kooperation und Konzentration im Handel;
  • Psychologie im Handel;
  • Handel und Städtebau/Citymarketing;
  • Handel und Kultur;
  • Handelsgeschichte;
  • Binnenhandelspolitik;
  • Fruchthandel.


Forschungsinstitutionen, Fördervereine, Mitgliedschaften
:

  • Forschungsprojekt Fruchthandel Uni Duisburg, drittmittelfinanziert durch Vereinigung von 21 Förderern (Unternehmen, Verbände und Fachverlage des deutschen Fruchthandels); wiss. Betreuung: Dipl.-Kfm. Alfred Schwemin; Herausgabe von Arbeitspapieren; Berichte über die Forschungsergebnisse auf der Internet-Homepage: www.forschungsprojekt-fruchthandel.de.
  • Wissenschaftlicher Kurator der Wolfgang-Wirichs-Stiftung, Krefeld;
  • Mitgliedschaften: 
    Duisburger Universitäts-Gesellschaft, Duisburg;
    Forschungsstelle für den Handel Berlin (FfH), Berlin;
    Bergischer Geschichtsverein, Wuppertal;
    Freundeskreis Erwin Bowien, Solingen;
    Gesellschaft der Freunde der Duisburger Philharmoniker



Publikationen 
(vorgegebene, auf 5 Titel begrenzte Auswahl nur für 1999/2000; ausführliche Liste unter "Veröffentlichtes"):

  • Richtungweisende Umbrüche im Handel. In: Aufbruch durch Innovation. BBE-Jahrbuch des Handels 1999, hrsg. von der BBE Köln, Köln 1999, S. 17-48.
  • Vierzig Jahre moderner Handel in Deutschland. In: Distribution im Aufbruch, hrsg. von Otto Beisheim, München 1999, S. 443-468.
  • Das Vier-Märkte-Konstrukt als verhaltenstheoretischer Erklärungsansatz der Machtkonstellationen des Handels. In: Handelsforschung 1999/2000, hrsg. von Volker Trommsdorff, Berlin 2000, S. 215-232.
  • Handelsmarketing für kleine und mittlere Unternehmen auf der Grundlage des Vier-Märkte- Ansatzes. In: Jahrbuch der KMU-Forschung 2000, hrsg. von Jörn-Axel Meyer, München 2000,
    S. 373-390.
  • Der Internet-Einkauf von Frischobst und -gemüse im Praxistest. In: Fruchthandel- Magazin, Heft 37/2000, S. 36-38.

Sonstige Veranstaltungen:

  • "Unternehmergespräche" (monatliche Diskussionsrunde über ein Schwerpunktthema in Zusammenarbeit mit der IHK Duisburg, s.o.);
  • Gastvorträge (u.a. bei IGW St. Gallen; EDEKA-Schulungszentrum Bad Schlangenbad; FH für Wirtschaft Berlin; Senator für Arbeit und Soziales, Berlin; FH Nürtingen; Deutsche Bank Duisburg; Kokusai Shogyo Institute, Tokyo; Universität Tartu, Estland; IHK Augsburg, IHK Lübeck);
  • Exkursionen und Arbeitsbesuche bei Unternehmen und Verbänden;
  • Expertisen für Behörden, Verbände und Unternehmen (u.a. BMWi; Senator für Wirtschaft Berlin; Wirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz; BAG; HDE; Markenverband; ZDK; Metro; Möbelhaus Kleier, Moers, Presse-Grosso Schmitz, Duisburg);
  • Informationsaustausch und Tagungszusammenarbeit mit
    -  Instituten (u.a. Institut für Gewerbezentren, Starnberg; FfH Berlin; Institut für  Handelsforschung, Köln; ifo-Institut für Wirtschaftsforschung, München; Schweizerisches Institut für gewerbliche Wirtschaft, St. Gallen),
    -  Kammern (u.a. Augsburg, Berlin, Duisburg, Lübeck, München),
    -  Verbänden (u.a. Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels BAG, Berlin; Hauptverband des Deutschen Einzelhandels, Berlin; Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandlels BVL, Berlin; Centralvereinigung deutscher Wirtschaftsverbände für Handelsvermittlung und Vertrieb CDH, Berlin; urbanicom, Berlin; Zentralverband gewerblicher Verbundgruppen ZGV, Bonn) und
    -  Stiftungen (Otto Beisheim-Stiftung, Dresden; Wolfgang-Wirichs-Stiftung, Krefeld);
  • Auslandskontakte (u.a. mit britischen, estnischen, japanischen, österreichischen, schweizerischen und US-amerikanischen Instituten).


 

Vortrag beim FRUCHTHANDELSTREFFEN 2001 am 20.09.2001 in der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg


 

 Exkursion zur EDEKA RHEIN-RUHR, Moers, am 1. Februar 2002 (mit Herrn GF Neuhaus, M, und Herrn Schwemin, r)


 

     Verabschiedung am 6. Februar 2002 in der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer zu Duisburg
 durch Frau GF Astrid Schulte 
(nach 23 Jahren erfolgreicher gemeinsamer “Unternehmergespräche”
 mit 120 Sitzungen, 40 Themen, rd. 60 Kaufleuten und über 400 Studierenden)


 

Übergabe des Förderpreises 2002 der Wolfgang-Wirichs-Stiftung an Frau Dipl.-Kff. Iris Müller, Nürnberg,
am 30. Oktober 2002 in Krefeld (v.l.n.r. Wolfgang Wirichs, Iris Müller, Prof. Dr. Hans-Otto Schenk)

 


 

Nach der letzten Amtshandlung am 4. Juni 2003
(Mündl. Lehramtsprüfung mit OStD Dr. Diewald und Prof. Chamoni)


 

Anlässlich der Verleihung der Förderpreise Handel 2004 der Wolfgang Wirichs Stiftung am 19.01.2006 in Krefeld mit den Preisträgern Prof. Dr. Jürgen Dröge, Rektor der Europäischen Fachhochschule Brühl, und Dipl.-Kfm. Rolf Spannagel, GF des FfH-Instituts für Markt- und Wirtschaftsforschung Berlin


 

Anlässlich der Tagung des Kuratoriums der Wolfgang Wirichs Stiftung am 22. Mai 2006 in Issum:
v.l. Hans-Otto Schenk, Günter Lichtenstein, Anne Wirichs-Doetsch, Peter Wirichs, Herbert Doetsch;
Foto: Sigrid Baum


Anlässlich der Übergabe des Förderpreises Handel 2006 der Wolfgang Wirichs-Stiftung 
am 10. Januar 2007 in Krefeld: v.l.n.r. Peter Wirichs, Hans-Hermann Nothofer,
 Anne Wirichs-Doetsch, Klaus Helnerus und Benedikt Bartmann (als Preisträger),
 Ministerin Christa Thoben, Hans-Otto Schenk, Günter Lichtenstein, Herbert Doetsch

                                                                                                            (Foto: Gunter Dreißig, Krefeld)



Psycho-Tipps zur Examensarbeit

 

Die Anfertigung einer Examensarbeit ist mit mancherlei inneren Anspannungen verbunden. Die fertige Arbeit ist immer die Resultante aus Kandidatenfleiß und Betreuerleistung. Daher ist es nützlich, rechtzeitig vor ihrer Bearbeitung Vorfragen zur Betreuung zu klären und während der Bearbeitung etwas Psychologie anzuwenden. 

 

Als Krönung des Hochschulstudiums kommt auf jeden Studierenden eine schriftliche wissenschaftliche Abschlussarbeit zu: die Examensarbeit. Egal ob es sich um eine Bachelor-, Master-, Magister-, Diplom- oder Staatsarbeit handelt – ihre Anfertigung wie ihre Betreuung durch den bewertenden Hochschullehrer ist mit mancherlei inneren Spannungen (Eustress) verbunden. Die Professoren, im Normalfall pädagogische Autodidakten, haben im Laufe der Zeit allmählich gelernt, mit dem Abbau solcher Spannungen umzugehen. Für den Examenskandidaten bleibt hingegen kaum Zeit, die nötige Resistenz zu trainieren. Spezielle Lehrveranstaltungen zum Stressabbau werden in der Regel nicht angeboten. Und die vielen gedruckten Ratgeber zur Anfertigung von Examensarbeiten bieten hierzu meist wenig Hilfe. In dieser Situation mag es nützlich sein, den Examenskandidaten aus langjähriger Betreuungserfahrung ein paar "Psycho-Tipps" mit auf den Weg zu geben. Mit dem Spannungsabbau (nicht mit utopischer gänzlicher Spannungsvermeidung!) kann der Studierende nicht früh genug anfangen.

            Lange vor der Bearbeitung sollten einige Vorfragen geklärt werden: Geht dem/der künftigen Betreuer/in als Erstgutachter der Ruf voraus, eine umfassende, eine mäßige oder gar keine persönliche Betreuung zu bieten? Sind Erst- und mutmaßlicher Zweit­gutachter "kompatibel"? Bietet der künftige Betreuer ein spezielles Examenskolloquium mit praktischen Übungen (zu Gliederung, Zitaten und Entlehnungen, Fußnoten, Literaturverzeichnis, Stil, Textrekonstruktion, Forschungsdesign, Tabellen und graphischer Gestaltung usw.) an? Gewährt er oder sie ausreichend Sprechstunden? Stimmt er oder sie das Thema der Examensarbeit mit dem Bearbeiter ab? Gibt er oder sie ein Aufgabenblatt mit Spezifizierungen zum Thema an die Hand? Macht er oder sie die Examenskandidaten mit seiner oder ihrer Bewertungsmethode – möglichst einem objektiv-gerechten, standardisierten Bewertungsschema – vertraut? Für seinen Betreuer sollte sich jeder Examenskandidat erst entscheiden, wenn er solche Vorfragen positiv für sich klären konnte. Notfalls ist ein geeigneterer Betreuer zu wählen.

Während der Bearbeitungsphase gerate niemand in Panik, wenn er feststellt, dass er (a) in zu viel Stoff ertrinkt oder (b) zu wenig Stoff findet! In beiden Fällen kann immer noch das Thema eingeengt werden. Im Fall (a) kann man im einleitenden Teil darauf hinweisen, dass der Schwerpunkt z.B. wegen der thematischen Breite oder wegen der Materialfülle auf bestimmte Aspekte gelegt wird. Im Fall (b) müsste man die Konzentration auf einen oder wenige Aspekte begründen, z.B. mit unzureichender Materialsituation oder unbefriedigender Information durch angeschriebene Firmen oder Institutionen.

Oft fällt der Start der Texterstellung besonders schwer. Man brüte nicht zu lange über dem einleitenden Teil! Man halte sich bei der Textabfassung auch nicht unbedingt an die Gliederungsreihenfolge! Es kann ruhig der Abschnitt 3.1.1 oder 4.2 zu­erst geschrieben werden, jedenfalls ein Abschnitt, der einem besonders liegt, für den gute Unterlagen existieren, den man für besonders wichtig oder leicht hält! Dank Textverarbeitung können die Dateien ja an beliebiger Stelle und zu jedem beliebigen Zeitpunkt ergänzt werden. Hat man die ersten zehn Seiten geschrieben, dann setzt meist die Freude am Schreiben automatisch ein. Manchem fällt die Problembeschreibung schwer. Man hat sich in die Thematik eingelesen und sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Der einfachste Trick: Man erzähle der Freundin, dem Freund, der Oma oder dem Pastor, worüber man seine Examensarbeit schreiben will. Dabei entsteht die Problembeschreibung von selbst. Sie muss nur noch einmal schriftlich festgehalten werden.

Während der Materialsuche und auch während der Schreibarbeiten sollte der Bearbeiter stets ein Notizbuch mit sich führen und jeden guten Gedanken, jede Quelle und jede Anregung zum Thema sofort eintragen. So erspart man sich den Ärger über den vergessenen Geistesblitz, der bei Karstadt oder in der Straßenbahn kam (aber nicht im Gedächtnis haften blieb). Während der Schreibarbeiten können innere Widerstände auch durch einen Tagesplan reduziert werden, müssen es aber nicht. Wer es schafft, einen tagesgenauen Zeitplan zum Arbeiten aufzustellen und einzuhalten, wird sich wohler fühlen bei dem Gedanken, „im Plan“ zu liegen. Der Schreibplan muss nicht täglich die gleiche Arbeitszeit vorsehen. Er kann bestimmte Verpflichtungen (Vorlesungen, Bibliotheksbesuche usw.) berücksichtigen. Dummerweise kann bei dieser Methode auch das genaue Gegenteil eintreten – Unzufriedenheit, gar Panik über das (schon wieder?) nicht erreichte Tagespensum...

Dass eine wissenschaftliche Arbeit durch thematische Vollständigkeit, Klarheit, Logik, Sachlichkeit und Verständlichkeit geprägt sein muss, versteht sich von selbst. Gleichwohl gibt es reichlich Tricks, die Spannungen des Betreuers und Korrektors abzubauen. Man denke nur an so bescheidene Wohltaten (für den Betreuer) wie das erste und/oder letzte Zitat aus einer seiner Veröffentlichungen. Wenn er oder sie über termini technici hinaus eine Vorliebe bzw. ein Faible für Fremdsprachliches hat, dann findet man im Fremdwörter-Duden genug imponierende Begriffe. Wetten, dass der/die Dozent/in staunen wird, wenn er oder sie Begriffen wie Adiaphora (Gleichgültiges), Etalage (Ladenaufbau), Indagation (Aufspürung, Untersuchung), Semasiologie (Wortbedeutungslehre) oder Zelerität (Geschwindigkeit) begegnet?!

Bewährt haben sich grundsätzlich auch folgende Psychotricks, um den Beurteiler einer Examensarbeit milde zu stimmen:

·                    Originalität der Darstellung;

·                    Prägnanz (Präzision und Kürze);

·                    Anschaulichkeit und  

·                    literarische oder empirische Neuheiten.

      In formaler Hinsicht bietet der PC grandiose Gestaltungsmöglichkeiten, z.B. für Hervorhebungen (Wechsel von Schriftart und -größe, Umrandungen, Farbe usw.). Eine leicht lesbare serifenfreie Schrift in 12p oder 14p sollte den Vorzug vor kleineren Schriften erhalten. Zu große Schriften und Zeilenabstände erwecken den Eindruck des Seitenschindens. Nicht nachgewiesene Texte aus dem Internet zählen selbstverständlich nicht zur Organisationspsychologie. Sie stellen Plagiate dar und sind absolut verboten! Fotos, Graphiken, Tabellen, Anhang-Material, Umschlag und Layout – das alles bietet genug Raum für schöpferische Gestaltung. Als Psycho-Tipp ist allenfalls eine Warnung zu beherzigen: keine Übertreibung! Wenn es die Formvorschriften des Prüfungsamts für das Titelblatt der Examensarbeit erlauben, kann ein besonders „zügiger“ Student hier auch seine Semesterzahl angeben – ein kleines Fleißsignal für den Korrektor.

Vor Fertigstellung der Reinschrift sollte der Bearbeiter sein Rohmanuskript einem des Deutschen mächtigen lieben Menschen einmal mit der Bitte um Stilkritik, Angabe von Verständnisschwierigkeiten sowie Überprüfung von Rechtschreibung und Zeichensetzung zum Gegenlesen an die Hand geben. Das daraufhin korrigierte Opus kann er oder sie am Ende viel entspannter einreichen, und dem Korrektor erspart er oder sie auch unvorteilhafte Spannungen. Vor Fertigstellung der Endfassung bieten sich noch zwei Tricks an: der bewusste Einbau von Kurzsätzen und eine interessante Formulierung von Anfang und Ende des Textes. Etwa jeder fünfte Satz sollte extrem kurz sein. Auch können ausgesprochene Bandwurmsätze in mehrere kürzere Sätze (selbstverständlich nicht bei Zitaten) "zerhackt" werden! Wird die Lektüre flott und flüssig, müsste sich das auch in einer dankbaren Bewertung widerspiegeln. Schließlich wohnt bei Examensarbeiten nicht nur jedem Anfang ein Zauber inne, sondern auch jedem Schluss. Der letzte Eindruck kann sogar entscheidend sein.

Im Übrigen sollte der Bearbeiter immer von dem realistischen Bewusstsein geleitet sein, dass es Hochs und Tiefs gibt. Es erwarten ihn oder sie viel Arbeit, gute und schlechte Tage, manchmal auch schlaflose Nächte. Wer auf Rückschläge und Enttäuschungen eingestellt ist, kommt damit besser zurecht als der allzu Sorglose, der bei einer Panne in Panik gerät. Wer jedoch glaubt, innere Anspannungen besser mit Medikamenten oder unter Anleitung von Psychotherapeuten bewältigen zu können, bedenke, dass die erhofften Wohltaten womöglich erst nach der Dreimonatsfrist für die Bearbeitung eintreten... Zum realistischen Bewusstsein gehört – last but not least – die Einsicht, dass eine vorzügliche Examensarbeit nie allein auf Psychotricks beruht. Sie ist immer die Resultante aus Fleiß des Bearbeiters und umfassender Betreuung. Immerhin hilft ein bisschen Psychologie zumeist, den Betreuer auf wohlwollende Beurteilung einzustimmen.

 

Näheres zu den wissenschaftlichen und fachpraktischen Methoden der Anfertigung und Betreuung von Examensarbeiten in Hans-Otto Schenk: Die Examensarbeit. Ein Leitfaden für Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, UTB 2657, 216 S., Göttingen 2005.

 

                                            © Hans-Otto Schenk

 


Ansprache anlässlich der 333-Jahr-Feier der Universität Duisburg am 28.10.1988

 

11. Szene

 

Titel:   De progressu universitatis Duisburgiensis

         oder

         333 Jahre Fortschritt

 

Text:   Hans-Otto Schenk

 

 

Magnifizenz et Spectabiles! Doctores! Studiosi!

Bürger der Stadt und der Welt und unserer alma mater

splendida Duisburgiensis und alle, die unter ihr leiden!

Kanzler und Kandidaten für eine bessre Laufbahnbesoldung!

Angestellte und Arbeiter des Kopfs sowie auch der Hände,

Sachwalter personell-sächlicher Mittel des Haushalts!

Boten und Fahrer und ebenso all ihr Reinmachefrauen,

die ihr den Überblick habt über alles, was hier wird bescheuert!

Denker und Dichter in all unseren elf Fachbereichen,

Formularüberdruckhersteller der Sachgebietsfülle!

Wohnraumverweser und auch ihr rührenden Menschen der Mensa!

Jusos und RCDS, vom MSB-Spartakus alle Agenten!

Nicht zu vergessen die lieben Kollegen!

 

Seid mir gegrüßt zum dreihundertdreiunddreißigsten Fest heut,

das wir begehen zusammen im Gauditorium maximum

mit allem ira et studio, so sehr es sich ziemet!

Schenkt euer Ohr, das geneigte, mir und öffnet es willig.

So will ich denn voller Weisheit es wagen, wägende Worte

teils zur Belehrung und teilweis zur Hülf und privatissime

Euch auf den Marsch durch gar viele Hochschulinstanzen

gern mitzugeben; denn allemal doch kann der Nutzen ziehen,

der sich mit Eifer wohl öffnet ganz meiner Entdeckung.

 

So red’ ich denn von des Fortschritts Gewalt, die nirgends so deutlich

zeigt sich wie gerade an unserer Schule des Geistes, der Hohen.

Fortschritt und Höherentwicklung von Mensch und Maschine -

nirgendwo sonst auf dem Erdenrund vergleichbar im Glanze

sind sie erkennbar dem Aug', dem prüfenden Blicke.

Nirgendwo schreitet so fort und fort der stetige Fortschritt

wie an der Uni zu Duisburg, der Stolzen, in all ihren Jahren.

Nicht läßt an Fortschritt sich hic et nunc alles beschreiben.

Aber exempla diversa - ja, sie genügen fürs erste.

Alles an Fortschritt begann damals am vierzehnten

Tag des Oktobers sechzehnhundertundfünfundfünfzig,

als unter Tuba- und Flötenklang Herr Clauberg Johannes,

Solinger Blut, auf die heilige Schrift vereidigt wurde

erstmals zum Rector magnificus der ersten Duisburger Uni

von seiner Durchlaucht dem Kurfürst von Brandenburg Wilhelm.

Kann einer wohl übersehen im Ernste den Fortschritt bis heute?

Heut wird gewählet als Demokrat von eignen Organen,

wer um das Rektoramt frei sich bewirbt. Und der ist hinfort

nicht einer Durchlaucht ganz untertan, vielmehr einem Weibe.

Auch muß er heut nicht mit Szepter, Protokollbuch und Schlüsseln

schwer sich beladen; denn dafür steht eine hilfreiche Schar

fleißiger Helfer zur Seite, allen voran ein kerniger Kanzler .

Auch muß der Rektor durch lehmige Gassen nicht länger mehr waten.

Er wird im Fünfer BMW bequemlich chauffieret.

(Freilich wohl steckt in dem alten Gefährte nun seinerseits

sicher noch einiges Potential für weiteren Fortschritt.)

Heut muß der Rektor nicht jeden Studenten per Handschlag begrüßen,

auch braucht er nicht mehr zu leben in Furcht vor studentischen Degen,

seine Studenten ziehn friedlich umher, in Turnschuhen meist;

fünfunddreißig Prozent von ihnen sogar, die kämpfen mit weiblichen Waffen.

 

Damals beim Einweihungsfest in der Stadt, da mußten genügen

Pauke, Trompete und Burschensang. Wie ganz anders heute!

Ganz nach Belieben kann Magnifizenz - zum Uni-Ball etwa -

eigne Orchester und Big Band und Combo, im C-Trakt gedrillt,

heutzutag aufspielen lassen; ja sogar setzt ein er mitunter

Disco music, elektronischen Klang, von Computern erzeuget.

Wie weit der Fortschritt beim Uni-Ball schon gediehen,

nachdrücklich zeigt es der Eintrittspreis dem BAFöG- Studenten.

 

Jedweder Fortschritt hat seinen Preis, sogar für den Rektor.

Hat er nicht selbst uns gelehrt mit Bedacht die Grenzen des Wachstums?

Wäre verharrt nur die Durchschnittszahl bei zwanzig Studenten

jedes Semester sowie auch die Zahl von nur fünf Gebäuden,

hätten nicht Bildungs- und Bauboom uns hart an schmerzliche

Grenzen des Wachstums geführt - wer weiß, ob nicht manches

Opfer des Fortschritts entfallen wär! Zum Beispiel hat nun

keine Gerichtsbarkeit mehr für sich der Rektor im Hause,

keinerlei Karzer steht ihm zur Verfügung; im Falle des Falles muß,

was der Justitiar nicht weiß, vor ferne Gerichte.

Mancher mag solches als Rückschritt seh'n. Vergeßt aber nicht -

solches wird tausendfach kompensiert, ein Wunder des Geistes,

durch das vollkommene principium der Teilung der Arbeit.

Nicht mehr verwaltet nur ein Pedell die sämtlichen Schlüssel

aller Gebäude der Bibliothek und des Hauses für Samen.

Fortschritt durch die Teilung der Arbeit in winzige Teilchen,

häppchenweis Übertragung von Pflichten und Recht auf Scharen

amtlich bestellter Bediensteter in Mammutverwaltung -

so sieht der Duisburger Fortschritt aus, organigraphisch.

Tausend Zerteiler der Arbeit teilen, was immer nur teilbar;

zehn Kommissionen und, höher an Zahl, Ausschüsse, Sachgebiete;

Studienberatung und AVMZ, zentral ein Zentrum zum Rechnen;

Prüfungsausschüsse mancherlei Art und weiblich das Amt für die Presse.

Sonderforschungsbereich und Mittelbaurat und An-Institute;

Fachschaften und auch Senat und Konvent, ein Fundbüro gar

und für den Transfer des gebündelten Wissens 'ne eigene Stelle.

Arbeitsteilig geht jeder der Pflicht nach und keiner weiß recht mehr,

was denn die anderen neunhundertneunundneunzig Bediensteten tun.

Wunderbar wirkt diese Apparatur, von Schreibautomaten,

Endloskopierern und Hausdruckerei auf Hochtour gebracht.

Standardisiert und durchprogrammiert wird alles, was nur sich

eben noch standardisieren läßt. Es lebe der Fortschritt!

Wer jedoch ob solchen Fortschrittwahns erkrankt an der Seele,

dem helfen hurtig hauptamtliche Kräfte: Diplom -Psychologen.

 

Harmonisiert ist in Duisburg schon längst die wechselseitige

Ratio des Menschen und der Maschine.

Am Lotharplatz rollen lautlose Wesen als Roboter rum, von Menschen geschaffen.

Andernorts folgen mechanische Menschen Computerbefehlen.

Griechisch, Lateinisch versteht kaum noch wer.

Im Geiste des Fortschritts kürzt man die Sprache zu kleinsten Kürzeln, nun kompatible.

Pflicht ist geworden der Abkürzungskurs für jedermann heut;

denn es fänd niemand zurecht sich bei uns, der - ohne zu kennen die

Abkürzungsgrundlagen ganz und gar - in Duisburg studierte.

"LBS" steht so für "Lehramt an Schulen, berufsbildenden";

"OK" heißt "Orientierungskurs" und "S" Seminar nun;

"QS" gleich "Querschnittsseminar", was immer das sein mag;

"Krs" gilt als besonders gelungen, die Kurzform für "Kurs";

rational in Vollendung gekürzt sind die Namen für alle Gebäude:

sinnvoll wird mit "LE" abgekürzt der AVZ-Hochklotz;

"LM" steht nicht für das, was ihr denkt, es steht nur für

"Technische Versorgungszentrale" am Forsthausweg oben;

schlicht wird der "G-Kern" abgekürzt zu "MG", und leicht ist zu merken

die Bürgerstraß 15, sie heißet hinfort "SA ", ja was sonst denn.

Keiner verzage ob solchen Fortschritts; denn man kann Beratung

spezialisierter Berater zu Hauf in Anspruch dann nehmen;

besser noch folgt man dem Rat Friedrich Wilhelms, des Ersten, vom

Herbste von siebenzehnachtzehn, als er empfahl jedem Neuling,

"alte geübte Studiosos, gottselig" vor allem zu fragen.

 

Frühe schon regte sich der Fortschrittsgeist an unserer Uni, der Ersten:

Im Jahre siebenzehnhundertundzwanzig errichtete nobel der

Physikus Petrus van Musschenbroek ganz hoch auf dem Turm der

Salvatorkirche ein observatorium astronomicum.

Sehr bald hat innere Weitsicht jedoch zum Abbau geführet;

zukunftsbewußt hat man alsbald erkannt, daß hierorts man schwerlich

durchblicken würde mit einem Rohr aus geschliffenem Glase

niedere Schichten der Atmosphäre, die mitgestaltet von Demag

und Thyssen und Krupp noch und Stadt dereinst würden werden.

 

Was für ein Quantensprung fortschrittlichen Geists, erinnert man sich doch:

Siebenzehnhundertundfünfundzwanzig, da wurde erworben

erstlich die Laterna magica mit kaum fünfzig Bildern.

Heute stehn Bildschirmgeräte in Massen herum und meistens defekte

Overheadprojektoren, und tragbare Mikros erleichtern die Arbeit.

Winters, da mußten sich ehdem Student und Dozent mit Wollmütze wärmen;

heute versorget ein Heizwerk, ein eignes, die Räume mit Wärme,

nur gilt die Sorge des Kanzlers dabei, per Ukas verbreitet,

niemand verschwende mehr Grade denn neunzehn bei dienstlichen Tun.

Sommers, da schwitzte ehdem in Wams und pluddriger Hose -

wenn er nicht gerade im Nachthemd erschien, den Meister zu foppen -

jeder Studiosus recht fürchterlich. Doch scheint heut die Sonne,

dann, ja dann lagern Studenten sich ins Freie und Grüne,

kaum noch beschürzt durch Textilien und unten und oben fast ohne.

Holt sich in derart'ger Luftigkeit dann einer die Grippe,

rasch helfen Salbe und Pillen, vom Amtsarzt verordnet.

 

Siebenzehnhundertundachtundsechzig verpflichtet der König

Rektor und Uni zu führen hinfort die Conduitenliste,

also es sollte im Regelmaß ihm angezeigt werden

jedes Ereignis und jede Person von ruchloser Art gleich.

Sowas, dem Fortschritt sei Lob und Dank, gibt es längst schon nicht mehr.

Heute, da führet mit Anstand und Fleiß ein jeder sich auf

und umgekehrt werden die Tüchtigsten gar besonders prämieret.

 

Ganz unaufhaltsam prägt Fortschritt auch die Forschung und Lehre.

Leidenfrost, Johannes Gottlob, der war vor zweihundert Jahren

voll konzentriert auf Analysis heißer Tropfen.

Leberecht Plessing, labil-philosophisch, mit Goethe befreundet,

Kant sowie anderen Leuchten des Geistes, beschränkte sich damals

nur auf Beweise der nötigen Übel sowie auch der Schmerzen

sämtlicher Erdengeschöpfe ganz. Das waren noch Zeiten!

Welcher gewaltige Kosmos des Geistes wird heute gelehret!

Nicht mehr beherrschen die Träumer das Feld.

Gelehret wird etwa "Grundlagen künstlicher Intelligenz", "New Age"

und "Hexenverfolgung", solches in Fachbereich eins bis fünf.

Das höhere Wissen steht allerdings höherem Fachbereich zu -

zu nennen sind "Walzen von Bändern und Blechen" im Fachbereich sieben;

"Technologie der Zementherstellung" im Fachbereich acht und

"Ultraschall und das Hörvermögen von Menschen und Mäusen", dieses im Fachbereich neun.

In zehn gibt es "Nukleare Festkörperphysik" (theoretischer Art wohl).

"Theorie der Approximation" lernt im elften Fachbereich dann

der, der mit Zahlen der Wahrheit sich nähert, näherungsweise.

 

Oder bedenkt nur die Anzahl der Hörer! Der frühere Professor

lehrte für vier oder fünf ganze Hörer, nicht selten zu Haus.

Kurz vor der Schließung der Akademie oder sagen wir besser:

kurz vor der Fortschrittsverzögerung so etwa ums Jahr

achtzehnnullsieben da hatte nur zwei beflissene Hörer

Friedrich A. Krummacher, der Theolog, um sich versammelt.

Solcherart eng in Kontakt mit den Schülern, da schrieb mancher

Meister die Doktorarbeit gleich selbst für dankbare Jünger.

 

Das alles fegte der Fortschritt hinweg. Zu heutigen Tagen

leidet am Minderzahlenkomplex schon der,

der nicht mindestens fünfhundert Hörer befriedigt mit rauschender Rede.

 

Nicht bleibe unerwähnt der große Progress hygienischer Art auch:

Wurde doch ehdem benutzt die Salvator-Kapelle zum

Zwecke des Gottesdienstes wie zugleich für anatomische Praxis.

Manchesmal mischten sich unfeine Düfte, sommertags meist,

unüberriechbar Weihrauch und Myrrhe bei. Wie ganz anders heute!

Heute zieht, anregend Magen und Geist, ins Audimax hoch

lieblicher Duft von "Hacksteak Bologna", auch Frikadelle genannt.

 

Fortschritt, progressus, bestimmt alles Tun und all Unterlassen

unseres gesamten Gesamthochschulwesens noch weit in die Zukunft.

Permanent schreitet der Fortschritt wohl fort, und manche Gelehrten,

namentlich die mit Besoldung C 4, sind Meister im Fortschritt;

viele sind weit fortgeschritten schon, zum Beispiel nach Hamburg,

Kiel oder München, ins Ausland gar, uns allen zum Ruhme.

Es lebe der Fortschritt im Duisburger Geist! Auch ich schreite fort jetzt...

Quelle: Heiter-Besinnliches anläßlich einer ungeraden Erinnerung, hrsg. von Claus Bussmann, Duisburg 1989, S. 42-47.


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